Die Langeweile, die weilt lange
Juli 27, 2008
Sie stiehlt die Zeit von den Gerechten,
ebenso wie die der Schlechten.
Es hilft kein Flüchten kein Verstecken,
denn sie kriecht aus allen Ecken.
Wie ein listig lauernd’ Tier,
voll von grenzenloser Gier,
der Feind von inhaltslosen Runden
und abendlicher Mußestunden.
Dem Fleisigen wird Angst und bange,
denn die Langeweile, die weilt lange.
Ein Liebesgedicht? (von 2005)
Juli 26, 2008
Der Honig in deiner Milch möchte ich sein,
die Sahne auf deiner Torte,
der Konfekt an deinen Ehrentagen,
das Salz in deiner Suppe,
die Sauce zu deinem Fleisch
und die Marmelade auf deinem Brot.
- Wenn du dann den Abwasch machst.
Das merken sie nicht
Juli 24, 2008
Das merken sie nicht sprach der Dieb
und füllte seine Tasche,
das merken sie nicht sprach der Trinker,
und griff nach der Flasche.
Das merken sie nicht sprach der Hungernde
und streckte sich nach dem Brot,
das merken sie nicht sprach der Hoffnungslose
und sprang in den Tod.
Ein Mensch steht am Rand,
denn er sieht kein Licht,
hofft still auf unsre Hand,
aber wir merken das nicht.
Zahn der Zeit
Juli 10, 2008
Die Zeit geht langsamer in diesen Tagen,
und man meint herauszuhören,
wie die Uhren träger schlagen,
irgendetwas scheint zu stören.
Mancher schimpft auf neue Zeiten,
voller Last und Schwierigkeiten,
der Kluge aber weiß indess,
der Zahn der Zeit hat Karies.
Fliederduft
Juli 9, 2008
Heut’ weht hier Fliederduft,
wo einst die Gräben lagen
und nichts mehr deutet auf die Gruft,
in der Soldaten starben.
Denn heute weht hier Fliederduft,
wo Salven Luft durchschnitten,
nichts schließt noch auf die Kluft,
in der sie Qualen litten.
Noch immer ziehn sie voller Solz,
den Rücken gegen uns gekehrt,
die Vergangenheit so scheint es,
hat sie nichts gelehrt.
Denn heute weht hier Fliederduft
und der Blinde wird noch blinder,
als hätten sie’s vergessen,
tun’s nun ihre Kinder.